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26.06.2017

SBPV-News

99. Delegiertenversammlung SBPV

Für eine Digitalisierung im Dienste der Gesellschaft

Am Freitag, 23. Juni nahmen rund fünfzig Delegierte an der 99. Delegiertenversammlung des SBPV teil. 99 Jahre - ein symbolisch interessantes Alter. Unser Verband bereitet sich seit bald 18 Monaten auf das Hundertjährige vor: Letztes Jahr wurden die Statuten modernisiert, dieses Jahr hiessen die Delegierten eine Strategie gut, die auf den technologischen Entwicklungen und seinen Folgen für die Arbeitswelt basiert. Sie stimmten zudem dem Antrag des Vorstandes zu, die JA-Parole zur Reform Altersvorsorge 2020 zu fassen.

1. Referat von Dr. Christina J. Colclough, Verantwortliche Digitalisierung UNI Global Union

Uni Global ist der Weltdachverband der Dienstleistungsgewerkschaften (Finanzen, Post, Medien, Versicherungen etc.). Er vertritt weltweit 20 Millionen Angestellte. Unter den aktuellen Themen, mit denen sich Uni Global beschäftigt, steht die Digitalisierung an erster Stelle. Verantwortlich für diesen Bereich ist Christina Colclough. Sie betreut die Website www.thefutureworldofwork.org, berät die nationalen Gewerkschaften und die europäischen Betriebsräte und setzt sich weltweit ein für die Interessen der Angestellten und der Bürger in Hinblick auf eine digitalisierte Wirtschaft. Eine grosse Rolle hierbei spielen die Machtkontrolle und -verhältnisse der riesigen Informationsmengen, Big Data, gehalten von den Internetriesen Google, Facebook, Amazon, Apple und Microsoft. Der Beitrag von Christina J. Colclough zeigte auf, dass es nötig ist, sich auf internationaler Ebene in dieses neue wirtschaftliche Zusammenspiel einzuschalten, um die Regeln festzulegen.

2. Die SBPV-Strategie in Sachen Digitalisierung

Die Delegierten hiessen sechs strategische Punkte gut und erteilten damit dem Vorstand und dem Zentralsekretariat SBPV das Mandat, aktiv zu werden, damit die Digitalisierung für die Angestellten der Finanzbranche zur Chance wird.

Die Thesen finden Sie auf unserer Website.

Sie setzen den Fokus auf folgende Punkte:

1. Weiterbildung ist der Schlüssel, um für die Bankangestellten, aber auch für die Finanzinstitute, den Wechsel in die digitale Wirtschaft sicherzustellen.

· Weiterbildung muss für alle Angestellten - unabhängig ihres Alters, ihres Bildungsniveaus oder ihres Status - während der gesamten Karriere möglich sein.

· Sie muss die Angestellten sensibilisieren bezüglich neuer Bedürfnisse und Risiken aufgrund neuer Technologien.

· Sie muss die Finanzierung der paritätisch konzipierten Weiterbildung sicherstellen und den Angestellten das Recht geben, ihre Weiterbildung selber zu wählen, die sie als notwendig erachten, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können.

2. Der Finanzsektor muss den Angestellten die Möglichkeit bieten, ihre Arbeitszeit ihren persönlichen Bedürfnissen anzupassen, um damit dem Fachkräftemangel entgegenzutreten, den die Bankverantwortlichen beklagen, und damit die Arbeitsplätze in Banken für Frauen und ältere Angestellte attraktiver zu gestalten. Teilzeitarbeit ist besonders für Frauen ein Bedürfnis, aber auch für Angestellte, die ihr Privatleben nicht mehr einer, immer mehr zufällig bedingten Karriere opfern wollen.

3. Die Vereinbarung über die Arbeitsbedingungen der Bankangestellten muss einen wirksamen Schutz gegen missbräuchliche Kontrollen der Angestellten vorsehen. Sie muss Arbeitsbedingungen garantieren, die ihr soziales Leben und ihre Gesundheit wahren.

3.  Tätigkeitsbericht akzeptiert

Die Delegierten nahmen den Bericht, insbesondere die Lohnumfrage 2017, zur Kenntnis. Die Versammlung nahm auch den aktuellen Stand der Verhandlungen in Sachen Erneuerung der VAB zu Kenntnis. Diese wurden auf Anfang 2018 vertagt.

4. Aktivitäten Programm gutgeheissen

Die Delegierten stimmten dem Aktivitäten Programm zu. Dieses basiert auf der Umsetzung der Strategischen Ziele 2015-2020. Neue Mitglieder zu gewinnen, ist Ziel aller SBPV-Aktivitäten. Auch das Jubiläum des SBPV ist so konzipiert, den Verband und seine Tätigkeiten in den Finanzzentren der Schweiz zu präsentieren. Das hundertjährige Jubiläum des SBPV bietet ebenfalls Gelegenheit zu einer festlichen Delegiertenversammlung am 8. Juni 2018 in Zürich, dem Gründungsort des Verbandes.

5. Ja zur Reform Altersvorsorge 2020

Thomas Zimmermann, Kommunikationsleiter des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, schloss die Versammlung mit seiner Präsentation des Projekts «Reform Altersvorsoge 2020». Er zeigte, wieso das Projekt unterstützt werden sollte. Die Delegierten folgten mehrheitlich seinem Aufruf, die Reform anzunehmen, um das Fortbestehen der AHV und sichere Renten in der obligatorischen beruflichen Vorsorge zu garantieren. Das höhere Rentenalter, der tiefere Umwandlungssatz und der höhere MWST-Satz werden durch folgende Massnahmen kompensiert:

- Höhere AHV-Renten für neue Rentnerinnen und Rentner

- Garantiertes Leistungsniveau der obligatorischen beruflichen Vorsorge für Angestellte über 45 Jahre

- Stärkung des Sparanteils für junge Versicherte

Der SBPV formuliert Wahlempfehlungen nur bei Abstimmungen mit gewichtigen Auswirkungen für die Angestellten, die er als Verband vertritt und bei Abstimmungen, die die Arbeitsbedingungen tangieren. Dies ist hier der Fall. Die berufliche Vorsorge ist in der Tat eine nachträgliche Lohnzahlung und damit Bestandteil der Arbeitsbedingungen.

Die Versammlung schloss mit einem geselligen Apéro. Die Delegierten, gewählt für vier Jahre, treffen sich spätestens nächstes Jahr in Zürich, um das Jubiläum des SBPV zu feiern.

Allen einen schönen Sommer.