Detail

28.02.2018

SBPV-News

Die Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen für Bankangestellte VAB und die Sozialpartnerschaft

Stand der Dinge

Seit der Vereinbarung über die Arbeitszeitermittlung VAZ im Jahr 2016 hat sich die Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen für Bankangestellte VAB nicht mehr wesentlich weiterentwickelt. Der Finanzplatz Schweiz hingegen ist in einem steten Wandel und steht wegen neuen Reglementierungen, dem automatischen Informationsaustausch und der Entwicklung neuer Techonologien unter Druck. Die Angestellten in der Finanzbranche  sind direkt davon betroffen. Die Verdichtung der Arbeit, die neuen Anforderungen an ihre Kompetenzen und Resktrukturierungen hinterlassen Spuren und wirken sich auf den Arbeitsalltag, auf die Arbeitsbedingungen und vor allem auch auf die Gesundheit aus. Der SBPV hat deshalb  einen Forderungskatalog erarbeitet, der auf der Analyse der oben genannten Herausforderungen des Finanzsektors und den daraus resultierenden Bedürfnissen der Angestellten basiert. Leider sind die Arbeitgeber bis heute nicht auf diesen Katalog eingegangen.

Die Sozialpartnerschaft ist blockiert

Unter dem Gesichtspunkt der Zusammenarbeit und des sozialen Dialogs wurde der Forderungskatalog im Februar 2017 den Arbeitgebern vorgestellt. Darin wurde nicht nur den Bedürfnissen der Angestellten Rechnung getragen, sondern auch den Herausforderungen, die von Arbeitgeber Banken benannt wurden. Der Fachkräftemangel wurde darin speziell beleuchtet.

Im Zentrum der Forderungen des SBPV standen Vorschläge für die Weiterbildung der Angestellten, wie die Erhaltung und Weiterentwicklung von neu verlangten Kompetenzen und Kenntnissen und auch Empfehlungen für die Arbeitsfähigkeit von älteren Mitarbeitenden. 

Wie kann die Arbeitsmarktfähigkeit verbessert werden? Wie wirkt sich Teilzeitarbeit aus? Mit welchen Massnahmen kann die Balance zwischen Privat- und Berufsleben verbessert werden? Diese  und viele andere Fragestellungen bleiben immer noch unbeantwortet, weil trotz zwei Sitzungen der paritätischen Kommission keine Schritte in Richtung Vorbereitung der Verhandlungen gemacht werden konnten. Die Arbeitgeber gestehen zwar ein, dass der SBPV die richtigen Fragen aufwirft, sie verweigern jedoch unsere Lösungen ohne Gegenvorschlag.

Gründe für die Blockade

Die Fragen, mit welchen sich der Finanzsektor auseinandersetzen muss, sollten in der Sozialpartnerschaft lösungsorientiert angegangen werden, zumal sie alle Akteure der Branche betreffen. Leider sind diese wichtigen Fragen gleichzeitig aber auch der Grund für die derzeitige Blockade in den Gesprächen. So gibt es zu viele Unsicherheiten, die direkt mit der Digitalisierung zusammenhängen. Zwischen Hoffen und Bangen befürchten die Gesprächspartner entweder neue Gelegenheiten zu verpassen oder ihren Handlungsspielraum eingeschränkt zu sehen.

Die Digitalisierung lässt in der Tat neue Möglichkeiten aufschimmern, die Arbeit neu zu organisieren und so die Kosten zu senken. Die organisatorische, zeitliche und örtliche Flexibilität der Arbeit wird durch die Digitalisierung neu definiert. Das kann sehr wohl ein Vorteil sein, kann aber auch einige Risiken mit sich bringen – sowohl für Arbeitnehmer wie aber auch für Arbeitgeber. Wie soll beispielsweise jemand kontrolliert werden, der fernab des Betriebes arbeitet oder wie kann die Arbeitszeit sauber vom Privatleben abgegrenzt werden, etc.?

Nebst der Digitalisierung zwingt uns auch die Überalterung der Bevölkerung dazu, uns mit neuen Fragen zu beschäftigen: Wie kann das Potenzial der älteren Arbeitskräfte genutzt werden, ohne auf Rechte zu verzichten, wie z.B. das Recht auf Frühpensionierung und das Kündigungsrecht und auch, ohne neue Pflichten aufzuerlegen? Wie gehen wir damit um, dass neu verlangte Kompetenzen und daraus wachsende neue Aufgaben auch neue Möglichkeiten der Weiterbildung verlangen? Und wie gestalten wir diese neuen Anforderungen für beide Seiten, für die Arbeitnehmenden und die Arbeitgebenden?

Lösungsversuche

Um diese Blockade zu überwinden, müssen beide Seiten eine gemeinsame Grundlage für Dialog schaffen, eine Grundlage, die auf einem Minimum an Vertrauen basiert. Dies war auch das Ziel am Spitzengespräch vom 31. Januar 2018. Die Präsidenten der drei Vertragsparteien der VAB – SBPV, KV und AGV Banken – begleitet von ihrer Direktorin und ihren Direktoren, haben dabei ihre Vision der Sozialpartnerschaft und ihre Erwartungen und Bedürfnisse präsentiert. Auf dieser Basis sollte eine gemeinsame Erklärung gefasst werden können, die es der Sozialpartnerschaft erlaubt, im Dienste aller Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der Finanzbranche, ihre volle Wirkung zu entfalten. Die Verhandlungen sind im Gang – wir hoffen, dass wir Ihnen im nächsten Newsletter die erwähnte gemeinsame Erklärung vorstellen können und Sie auch über die nächsten Schritte in Richtung Lösungsfindung orientieren können. 

 

Autorin: Denise Chervet, Geschäftsführerin SBPV