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22.06.2017

Arbeitszeit

Keine Lockerung der Arbeitszeiterfassung, keine Abschaffung der Überstunden Anrechnung

Mit den beiden parlamentarischen Initiativen von den zwei Ständeräten Keller Sutter und Graber, wird im Parlament nächstens über eine Lockerung der Arbeitszeiterfassung diskutiert obwohl die heute geltende sozialpartnerschaftliche Regelung den Unternehmen sehr viel Spielraum lässt und branchenübliche Gepflogenheiten berücksichtigt. Aufgrund seiner Erfahrungen stellt sich der SBPV gemeinsam mit dem Gewerkschaftsbund und weiteren Angestelltenverbänden gegen diese weitere Liberalisierung der Arbeitszeiterfassung.

Unsere Erfahrungen und Kontakte mit Mitgliedern zeigen, dass vor allem bei einem guten Verhältnis zu den Vorgesetzten die freie Arbeitszeiteinteilung geschätzt wird sofern dies eigenverantwortlich und mit der notwendigen Zeitautonomie geschieht. Keine Arbeitszeiterfassung birgt aber immer auch Risken für die Arbeitnehmenden, die es zu berücksichtigen gilt. Denn die Mehrheit von ihnen hat nicht die Möglichkeit, sich die Arbeitszeiten frei einzuteilen und die Kompensation ist oft deswegen nicht möglich.

Bei Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen bleibt die Arbeit an immer weniger Personen hängen. Dies führt sodann zu sehr vielen Überstunden und Überzeitstunden, die bei fehlender Arbeitszeiterfassung letztendlich «gratis» geleistet werden und die über längere Zeit hinweg auch zu gravierenden gesundheitlichen Problemen führen kann. Es ist die Verantwortung des Arbeitgebers, die Arbeit auf genügend Personen zu verteilen, damit sie ihre Arbeit in der vertraglich festgesetzten Zeit korrekt erledigen können.

Der SBPV hat im Jahr 2016 mehrere Mitglieder einer Auslandbank unterstützt, die masslose Überzeitstunden geleistet haben. Die Bank hatte während Jahren auf zusätzliche Mitarbeitende verzichtet und konnte somit ihren Gewinn über Jahre maximieren. Auch als Mitarbeitende erkrankten, wurden keine zusätzlichen Mitarbeitenden eingestellt, sondern die bestehende Arbeit auf die verbleibenden Mitarbeitenden verteilt. Da die Forderungen der letzten fünf Jahre einklagbar sind, hat der SBPV die Auszahlung der beweisbaren Überzeitstunden verlangt. Ohne Arbeitszeiterfassung wäre es sehr schwierig gewesen, die notwendigen Beweise zu erbringen. Es war eine harte Auseinandersetzung mit der Bank, da sie kein Verständnis für das schweizerische Rechtssystem zeigte. Unsere Intervention führte jedoch dazu, dass in zwei Fällen die Beträge für die Überzeitentschädigung der letzten 5 Jahre pauschal ausbezahlt wurden und in einem Fall konnte eine grosszügigere Kündigungsfrist mit Freistellung ausgehandelt werden.

Weitere ähnliche Fälle sind zurzeit noch pendent. Es zeigt sich immer wieder, dass es gerade auch bei einer Kündigung wichtig ist, die Arbeitszeiterfassung als Beweismittel vorweisen zu können.

Ebenfalls Ursache vieler Überstunden sind unrealistische, vom Vorgesetzen einseitig gesetzte Zielvorgaben. Wenn die Mitarbeitenden die Ziele nur mit viel Glück erreichen können, dann haben sie entweder sehr grossen Stress oder ihre Stelle ist gefährdet. Auch in solchen Fällen ist es wichtig belegen zu können, dass Überstunden und Überzeitstunden geleistet wurden, um darauf hinweisen zu können, dass die Leistungsvorgaben des Arbeitgebers zu überprüfen sind.

Rechtlich ist zu beachten, dass Überstunden grundsätzlich vertraglich wegbedungen werden können, nicht jedoch bei Banken deren Mitarbeitende der VAB unterstellt sind. Überzeitstunden dagegen sind jene Stunden, die über eine 45h-Woche hinaus gearbeitet werden. Jene müssen nach einem Abzug von jährlich 60 Stunden vom Arbeitgeber zu 125% ausbezahlt werden, wenn keine Kompensation möglich ist. Da eine solche Auszahlung von Überzeitstunden jedoch nur für die letzten 5 Jahre möglich ist, empfehlen wir Ihnen, dies möglichst mit Freizeit zu kompensieren. Dies ist auch eine effiziente Gesundheitsschutzmassnahme.